Farbe als System – über Kontraste, Übergänge und meine eigene Palette

Farbe als System – über Kontraste, Übergänge und meine eigene Palette

Farbe ist für mich kein dekoratives Element.
Sie ist ein System. Ein System aus Kontrasten, Übergängen und Wechselwirkungen.

Ausgangspunkt meiner aktuellen Arbeiten war keine konkrete Bildidee, sondern die Frage, wie Farben zueinander stehen – und wie sich aus diesen Beziehungen eine eigene Bildsprache entwickeln kann.

Dafür habe ich meine vorhandenen Aquarellfarben bewusst nebeneinander gesetzt, kombiniert und reduziert. Nicht, um ein Motiv zu entwickeln, sondern um ihre Wirkung zu verstehen: für sich allein und im Zusammenspiel.

Was zunächst wie eine einfache Farbübung erscheint, entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Farben beginnen miteinander zu arbeiten. Sie verstärken sich, brechen sich, kippen oder beruhigen sich. Kontraste treten hervor, Übergänge entstehen, Spannungen werden sichtbar.

Ein entscheidender Schritt war das bewusste Hervorheben der Zwischenräume.
Indem ich die ursprünglich weißen Linien zwischen den Farbflächen teilweise schwarz nachgezogen habe, wurde die Wechselwirkung der Farben deutlich verstärkt. Die Flächen stehen nicht mehr nur nebeneinander, sondern treten in Beziehung. Jede Farbe beeinflusst die andere.

Dieses System entsteht nicht aus Theorie, sondern aus Wiederholung: aus einer begrenzten Palette, aus ihren Mischungen und aus der Art, wie Farben sich gegenseitig verändern.

Besonders interessiert mich der Bereich zwischen Blau und Grün – jene Zone, die oft als Petrol oder Türkis erscheint. Hier gibt es keine klaren Grenzen, sondern Übergänge. Genau diese Übergänge sind zentral für meine Arbeit: Bilder bewegen sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Struktur und Auflösung, zwischen Kontrolle und Offenheit.

Auch die Funktion einzelner Farben wird in diesem Prozess klarer. Einige Töne tragen Ruhe und Tiefe, andere setzen bewusste Akzente oder stören gezielt. Gelb erscheint dabei weniger als dominante Farbe, sondern eher als Lichtträger. Magenta- und Violetttöne erzeugen Spannung, während gebrochene Blau- und Grüntöne atmosphärische Räume bilden.

Die Linien strukturieren, trennen und ordnen.
Die Flächen verbinden, überlagern und transformieren.

Die gezeigten Ausschnitte sind keine fertigen Werke, sondern Momentaufnahmen eines Prozesses. Sie helfen mir, ein Gefühl für meine Farben zu entwickeln, bevor sie in größere Formate und komplexere Bildräume übergehen.

Diese Farbpalette ist kein abgeschlossenes System.
Sie ist ein Ausgangspunkt.
Ein Feld, in dem sich meine Malerei zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion weiterentwickelt.

Am Ende geht es nicht darum, „die richtigen Farben“ zu finden, sondern eine eigene Logik zu entwickeln – eine Sprache, in der Farbe selbst zum Thema wird.





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