Rückblick: Neue Impulse "Transparenz und Verdichtung" – Kurs mit Eva Kalien

Rückblick: Neue Impulse "Transparenz und Verdichtung" – Kurs mit Eva Kalien

Ende März habe ich an einem Kurs bei der Künstlerin Eva Kalien teilgenommen. Für meine eigene Arbeit war dieser Kurs vor allem aus einem Grund interessant: Ich wollte mich intensiver mit Schichtung, Transparenz und Verdichtung von Bildflächen beschäftigen.

Viele meiner Arbeiten entstehen bisher stark aus der Zeichnung heraus. Linie und Struktur bilden oft den Ausgangspunkt, aus dem sich anschließend malerische Räume entwickeln. Im Kurs ging es dagegen bewusst um einen anderen Einstieg: über die Fläche zu arbeiten und Bildräume zunächst aus Materialien und Schichten heraus entstehen zu lassen.

Ein zentrales Element der Arbeit waren überlagerte Materialschichten. Tusche, Zeichnung, kreidige Abriebe, sowie opake und transparente Farbflächen wurden kombiniert, gewischt, teilweise wieder abgenommen oder mit unterschiedlichen Werkzeugen verteilt. Durch dieses Vorgehen entstehen langsam wachsende Bildoberflächen, in denen sich Spuren überlagern und verdichten.

Besonders spannend fand ich eine Technik, bei der mehrere Schichten Gesso aufgetragen werden. Anschließend wird Tusche darübergelegt und teilweise wieder abgetragen. Indem einzelne Zonen mit Alkohol (Handdesinfektions-Gel) eingerieben und die Tusche teilweise mit einem Lappen in wischenden und tupfenden Bewegungen wieder entfernt wird. Dabei bleiben feine Nuancen, Strukturen und Übergänge sichtbar. Die Oberfläche wirkt dadurch wie gealtertes Material oder wie eine Wand, die über lange Zeit hinweg verschiedene Spuren aufgenommen hat.


Solche Oberflächen interessieren mich besonders, weil sie sich sehr gut für meine geplante Motivserie „Organic Structures“ einsetzen lassen. Motive werden Türen, Fenster, Mauern oder architektonische Fragmente, die durch Zeit, Witterung und Vegetation verändert wurden. Die Materialschichten können hier gewissermaßen eine eigene Geschichte erzählen, noch bevor eine konkrete Form im Bild erscheint.

Ein weiterer Schwerpunkt im Kurs lag auf Markmaking und Linienrhythmen. Linien wurden nicht nur als Beschreibung eines Motivs verstanden, sondern als eigenständige Spur im Bildraum. Durch Verdichtung, Überlagerung und den Dialog mit dem negativen Raum entstehen lebendige Strukturen, die zwischen Zeichnung und abstrakter Bewegung stehen.

Für mich war der Kurs deshalb vor allem eine Einladung zum Experiment. Viele der entstandenen Arbeiten sind bewusst als Studien angelegt. Sie dienen dazu, neue Materialien und Vorgehensweisen kennenzulernen und herauszufinden, welche davon langfristig in meine eigene Arbeit integriert werden können.

In meiner künstlerischen Praxis interessiert mich weiterhin der Bereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Ausgangspunkt sind häufig reale Beobachtungen – etwa Architektur, Landschaftselemente oder Gegenstände –, die im Bildprozess verdichtet, verfremdet und transformiert werden. Die neuen Erfahrungen aus dem Kurs eröffnen hier zusätzliche Möglichkeiten: Bildräume können stärker aus Schichten, Transparenzen und Materialspuren heraus entstehen, bevor sich Linien und Strukturen wieder deutlicher formieren.

In den kommenden Monaten werde ich daher ausprobieren, wie sich diese Techniken in meine Arbeit integrieren lassen – insbesondere in Serien, die sich mit Architektur, Oberflächen und organischen Strukturen beschäftigen.

Der Kurs war für mich vor allem eines: eine wertvolle Erweiterung des eigenen Werkzeugs. Nicht jede Methode wird unmittelbar Teil der eigenen Bildsprache. Aber genau solche Experimente helfen, den eigenen künstlerischen Weg weiter zu schärfen.

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